Mumbai - Indien
Angekommen am Flughafen in Mumbai mit Ethiopian Airlines (von Entebbe via Addis Abeba), mussten wir uns auf das viel wärmere und feuchte Klima einstellen. Beim Versuch eine Rikscha für die zehnminütige Fahrt vom Flughafen zu unserem Homestay zu bekommen, lernten wir gleich mal, dass Handeln in Indien, alles ist.
So wollte man uns hierfür 300 Rupien abrechnen. Wir haben uns zum Glück vorher grob über die Preise erkundigt und konnten uns daher das Lachen nicht ganz verkneifen. Am Ende kostete uns die Fahrt 60 Rupien.
Im Homestay lernten wir wieder interessante Leute kennen. Gleich am ersten Tag haben wir zusammen mit Sinan, der aus der Türkei stammt und in Indien durch den Unterricht bei einem bekannten Musiker seine Technik im Flötenspielen verfeinert, die Slums von Mumbai erkundet. Wir können aus Erfahrung sagen, dass die Slums in Mumbai zumindest bei Tageslicht ungefährlich sind. Das Leben findet auf der Straße statt und auch hier trifft man auf viele aufgeschlossene Menschen, die sich von der Armut nicht unterkriegen lassen.
Nachdem wir zum Thema Essen und Trinken viele unangenehme Geschichten gehört haben, wollten wir hierbei zu Beginn eigentlich eher vorsichtig sein. Doch von wegen, wir gönnten uns gleich als Erstes etwas Street food und dazu offene Getränke. Man sollte sich vor Ort selbst ein Bild machen und dann entscheiden was man isst oder lieber nicht isst. Wir hatten in Sachen Essen bislang keine Probleme, doch sollte man in Indien generell natürlich aufpassen, da vieler Orts einfach nicht einwandfrei sauber gekocht wird (zumindest nicht wie bei uns) und auch nur verschlossene Getränke wirklich bedenkenlos sind.
Ansonsten haben wir in Mumbai in der kurzen Zeit nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten besucht, doch z.B. das Kolonialviertel mit seiner typisch britischen Architektur, die Moschee “Haji als Dargah”, welche sich auf dem Wasser befindet und über einen langen Steg zu erreichen ist (war ganz nett, aber kein Muss, zumal dieser Ort nicht gerade sauber gehalten wird). Als Europäer wird man in der Stadt und in den Zügen gerne mal angegafft oder auch um ein Selfie gebeten (es hielt sich in Mumbai jedoch noch in Maßen), was uns nicht weiter gestört hat, denn man möchte ja selber auch ein paar Bilder von den Einheimischen machen. Dabei interessieren sich die Menschen immer sehr für unsere Herkunft und Lebensweise.
Die lokalen Züge (vergleichbar mit unserer S-Bahn, nur viel älter) und die U-Bahn in Mumbai waren zwar immer gut gefüllt, jedoch meistens noch im erträglichen Maße. An dem Abend als wir vom Kolonialviertel zurück zu unserem Homestay gefahren sind, kamen wir mitten in die Rush Hour und durften dann doch die Erfahrung voller Züge im zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt machen. Niemand achtete mehr darauf in welche Wagonklasse er einstieg, jedoch nahm man auf die Trennung der Geschlechter Rücksicht (es gibt in Indien extra Wagons nur für Frauen), wodurch zumindest Isabella dem Getümmel entgehen konnte. Es glich einem Überlebenskampf und als Mann ist man gezwungen seine ganze Kraft aufzuwenden, um sich in bzw. aus dem Zug zu schieben/ drücken. Unglaublich, dass all diese Menschen jeden Tag diesen Kampf aufs Neue kämpfen. Die Türen sind bei solchen Fahrten eher imaginär, da diese immer geöffnet sind und hier noch mehr Menschen raushängend Platz finden. Das Ganze ist recht gefährlich, jedoch wohl Alltag, wenn sich in Indien die Massen in Bewegung setzen. Was unsere Erfahrung in Mumbai betrifft, müssen wir sagen, dass die vielen Menschen trotz dem ganzen Geschiebe und dem Chaos (auf uns Europäer wirkt vieles chaotisch) immer sehr freundlich sind und speziell auf Touristen Rücksicht nehmen, wenn es irgendwie geht.
Das Bild welches man bei uns meistens von Indien und den Menschen in diesem Land hat, entspricht nach unserer ersten Station mal wieder keineswegs den Tatsachen. Wir haben selten so viele freundliche Menschen getroffen. Die Menschen sind offen und kommen auf einen zu, ohne aufdringlich zu sein.
Das Buchen oder Kaufen von Zugtickets für Langstrecken in Indien, ist immer eine Herausforderung, nicht nur weil die Züge meist überfüllt sind und als Haupttransportmittel dienen, sondern auch auf Grund der komplizierten Buchungssysteme. Übrigens wird hier unter 7 Klassen unterschieden, von Sitzplätzen mit Klima oder ohne bis hin zu Liegeplätzen im Schlafwagon, wobei Letztere zu den günstigeren gehören.
Für die Weiterfahrt nach Udaipur in der Region Rajasthan wollten wir online ein Ticket buchen. Da die Buchungsseite der indischen Bahn ausschließlich indische Zahlungssysteme unterstützt, registrierten wir uns für die Zahlung bei einer zweiten Online Plattform, eine Buchung war dennoch nicht möglich, was natürlich Zeit und Nerven gekostet hat. Unsere Mitbewohner im Homestay hatten mit demselben Problem zu kämpfen. Sinan berichtete uns z.B., dass er schon mehrmals viele Personen vor sich auf der Warteliste für Tickets hatte und die Züge hinterher dennoch fast leer waren, andererseits sollte man in der Regel schon davon ausgehen, dass indische Züge eher voll sind.
Wir haben es dann am nächsten Morgen noch mal direkt am Touristenschalter im Bahnhof versucht. Da wir schon am Folgetag Mumbai verlassen wollten, waren wir ziemlich spät dran für solche Tickets, hat man uns gesagt. Wie sich herausstellte waren noch Tickets zu haben, jedoch gab es nun eigenartigerweise folgende zwei Optionen zur Auswahl:
1) sich für den regulären Ticketpreis auf eine Warteliste setzen lassen
2) für einen etwas höheren Preis, die Tickets sofort erwerben
Anscheinend blocken Agenturen oder die Bahngesellschaft selbst einige Tickets, um diese zu höheren Preisen zu vertreiben. Das Ziel können hierbei jedoch nicht die Touristen sein, denn man war auf unsere Anfrage nicht im geringsten vorbereitet, wodurch es über eine Stunde dauerte (reine Wartezeit, denn eine Schlange gab es nicht) bis wir die Tickets hatten.
Die Touristenschalter in den Bahnhöfen sollten das Prozedere für Ausländer eigentlich erleichtern, in Mumbai funktioniert das jedoch noch nicht wirklich. Das indische Zugticketsystem erscheint uns bislang doch sehr undurchsichtig.
Einen Tag später am Abend, waren wir froh auf unseren reservierten Plätzen in der Sleeper Class zu sitzen bzw. zu liegen, auch wenn man in der Liegeposition nicht allzu viel Platz hat.
Nach der einen oder anderen Stunde Schlaf, setzten wir die Reise im Sitzen fort, was wesentlich komfortabler ist. Während des Vormittags genossen wir interessante Gespräche mit unseren indischen Mitreisenden und die typischen Snacks, die man während der Fahrt und bei den Haltestationen kaufen kann. Geschäftstüchtige Männer laufen immer wieder die Wagons ab und verkaufen den Passagieren indisches Essen und Getränke. Es wird aber noch weit mehr offeriert. Wenn man gerade nichts besseres zu tun hat, kann man sich während der Fahrt z.B. auch die Schuhe reparieren und/oder polieren lassen - warum auch nicht? :) Wir haben dann doch dankend abgelehnt. So dauerte unsere erste Zugfahrt etwa 17 Stunden von Mumbai nach Udaipur (Rajasthan).






