Yogyakarta - das kulturelle Zentrum Javas



Von unserer ersten Station aus (Jakarta), begann unsere lange Reise durch Indonesien. Mit dem Zug ging es zunächst nach Yogyakarta. Die Tickets bekamen wir zwar sogar online, jedoch nur ohne Sitzplatzbuchung. Obwohl wir uns diesmal die erste Klasse gegönnt haben, erinnerte die sechs stündige Fahrt ein wenig an Indien. Der Zug war voll und obwohl wir keine Sitzplatzreservierung hatten, waren die sowohl die anderen Passagiere, als auch das Zugpersonal jederzeit hilfsbereit und ließ uns trotz allem irgendwie zusammensitzen. Auf der langen Fahrt kamen wir immer wieder mit den Einheimischen ins Gespräch. Leider stiegen in der ersten Klasse keine Händler, welche die den Zug mit lokalen Snacks versorgen, zu. Sowas gibt es eben nur in den unteren Klassen - man kann dann doch nicht alles haben. So vertrieben wir uns die Zeit bei Gesprächen und Kartenspielen mit unseren neuen Travel Buddies aus dem Hostel in Jakarta. 

Nach der Ankunft im Bahnhof von Yogyakarta, taten wir uns schwer ein Taxi zu bekommen. In Indonesien funktioniert die App “Grab” (ähnlich wie Uber) recht gut, jedoch ist es diesen alternativen "Taxis" aufgrund der sehr günstigen Preise oft nicht erlaubt in Bahnhof- oder Flughafennähe zu operieren. Nach einer Weile fanden wir ein paar Straßen weiter dann doch einen Grab und ließen uns in ein zentral gelegenes Hostel bringen. Nach der langen Fahrt hätten wir eigentlich auch ein richtiges Essen vertragen können und die bei uns so beliebten Strassenstände hatten sogar noch geöffnet. In Yogyakarta fanden wir das Streetfood dann jedoch nicht sehr ansprechend. Für gewöhnlich lieben wir das südostasiatische Straßenessen ja, doch in Yogyakarta sahen die Stände irgendwie nicht appetitlich aus und es gab auch sehr wenig Auswahl. Wir begnügten uns mit ein paar Snacks und gingen völlig erschöpft zu Bett. Im Hostel hatten wir mal wieder ein Gemeinschaftszimmer, jedoch mit paarfreundlichem Doppel-Stockbett, denn diesmal konnten wir Beide oben schlafen - viel mehr Luxus geht nicht!

Nachdem wir ausgeschlafen hatten, setzten wir uns am Morgen alle zusammen und schmiedeten einen Plan für die nächsten Tage. In Yogyakarta und der Umgebung gibt es historisch und landschaftlich jede Menge zu entdecken, wir beschlossen jedoch uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf unserem Plan waren die beiden bekanntesten Tempel Prambanan und Borobudur. Außerdem auf dem Zettel - ein Ausflug zum aktiven Vulkan Mount Merapi. 

Da wir zu fünft waren, lohnte es sich ein Auto samt Fahrer zu mieten. Wir fuhren zuerst zum Borobodur Tempel. Schon am Eingang der Anlage stellten wir fest, dass die meisten Besucher Indonesier waren, also stellten wir uns wieder auf viele Selfies ein :) Vor allem Antonio und Niko wirkten wie Riesen zwischen den durchschnittlich kleinen Indonesiern und zogen diese daher magisch an. Nachdem wir wieder in zig Aufnahmen als Fotomotiv hergehalten haben, widmeten wir uns dem Tempel. Die Borobudur Tempelanlage ist die am meisten besuchte Attraktion auf Java. Der Tempel war lange verlassen und dem Verfall ausgeliefert. Verschüttet unter Vulkanasche, wurde er erst Anfang des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und freigelegt. Steht man direkt vor dem Tempel, fällt auf, dass er sich wie eine Pyramide auftürmt. Ein besonderes Merkmal sind außerdem die vielen Stupas, in denen jeweils eine Buddah Statue sitzt. Um den Tempel herum ist alles grün soweit das Auge reicht. Ein Tempel, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte, wenn man Java besucht. 

   
   
  
   
   



Auf dem Rückweg zum Auto durften wir zum ersten Mal eine Python anfassen und halten. Eigentlich will man Geschäfte mit Tieren nicht befürworten, wir haben uns diesmal aber irgendwie mitreißen lassen. Danach fing es plötzlich an heftig zu regnen und wir fanden in einem der kleinen Restaurants vor dem Eingang Unterschlupf. Als der Regen nachließ, war es schon sehr spät und wir machten uns direkt auf den Weg zum Vulkan Mount Merapi. Die Umgebung um den Vulkan herum hat sich hier nach den beiden Ausbrüchen 2006 und 2010 in eine Mondlandschaft verwandelt. Um bis zum Fuße des Vulkans zu gelangen, wechselten wir auf einen Jeep, um das unwegsame Gelände meistern zu können. 



   
  
  
   

Der Vulkan war die meiste Zeit von dichten Wolken umhüllt. Er ließ sich nur ganz kurz blicken. Die Folgen der letzten Eruption, sieht man sowohl am Vulkan selbst, als auch an der Umgebung. Dort wo sich die Lava ins Tal ergossen hat, ist jetzt eine tiefe Schlucht, um die man herumlaufen kann. Der Boden, auf dem man sich so nah am Vulkan bewegt, ist getrocknete Lava. So langsam brach die Dunkelheit ein und es wurde Zeit wieder abzusteigen. Alex konnte es sich nicht verkneifen zu fragen ob er den guten alten Toyota Jeep (gebaut in den 70ern) auch mal fahren darf. Der Fahrer schmunzelte nur und ließ ihn tatsächlich den ganzen Weg zurückfahren, obwohl es die Strecke durchaus in sich hatte. Alex hatte jedenfalls seinen Spaß und wir sind auch noch nicht mal im Graben gelandet :) 

   

Auf dem Rückweg machten wir Stop bei einem Haus, welches vom letzten Vulkanausbruch gezeichnet ist und zu einem Museum umfunktioniert wurde, um die verheerenden Auswirkungen zu veranschaulichen. 
Nach einem langen Tag mit vielen Eindrücken, gönnten wir uns in der Stadt noch ein ausgiebiges indonesisches Abendessen. Anschließend zogen wir uns bei ein paar Bier im Hostel, Live Fussball vom Feinsten (Schalke - Wolfsburg) rein :D 

Am zweiten Tag ging es mit dem öffentlichen Bus zum Prambanan Tempel. Der Bus hielt nicht direkt am Tempel, doch die Rikschas warteten bereits auf den nächsten Schwung an Touristen. Für Alex war es eine gute Gelegenheit einmal so ein Fahrradrikscha selbst zu fahren und sich einen Eindruck von der schweißtreibenden Arbeit zu machen. 


 


Prambanan ist die größte hinduistische Tempelanlage auf Java. Die sehr gut erhaltene Anlage mit ihren vielen Türmen erinnerte uns von der Bauweise her an Angkor Wat in Kambodscha. Am Eingang sprachen uns einige Studenten an, die uns eine kostenlose Führung anboten, einfach um mit uns zu Kommunizieren und nebenbei ihre Englisch Kenntnisse zu verbessern. Wir nahmen das Angebot gerne an und lauschten den Geschichten und Legenden von denen sie uns erzählten (eine kleine Donation sollte man den Schülern natürlich schon auch geben). Im 16. Jahrhundert zerstörte ein gewaltiges Erdbeben große Teile der Tempelanlage. Erst während der britischen Kolonialzeit Anfang des 20. Jahrhunderts machte man sich an die Sanierung des Tempels, wobei der Wiederaufbau bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Man erzählt sich fantastische Geschichten über Prambanan. Der Legende nach habe ein Prinz binnen einer Nacht die beinahe eintausend Tempel errichtet, um der schönen Prinzessin zu imponieren. Diese wollte den Prinzen nicht ehelichen und forderte von ihm diesen schier unmöglichen Liebesbeweis. Der Prinz verbündete sich mit bösen Mächten und Dämonen, die es ihm möglich machten, 999 Tempel aus dem Boden zu stampfen. Die Königstochter bemerkte ihre missliche Lage und ließ am Horizont ein Feuer anzünden, um den Sonnenaufgang vorzutäuschen. Kurz vor Fertigstellung des letzten Tempels entging sie so der Trauung mit dem liebeshungrigen Prinzen. Aus Frust über die Zurückweisung und als Strafe, ließ der Prinz seine Angebetete in Stein verwandeln. Ihre steinerne Gestalt ist noch immer im Haupttempel anzutreffen. 


   
  
   
   

Nach dem Tempelbesuch kamen wir an einem Schießstand für Bogenschützen vorbei, wo wir unsere Treffsicherheit testeten. Allzu viel Talent war in unseren Reihen allerdings nicht zu finden. Einzig und allein Isa gelang es unseren Ruf zu retten. Es war schön, dass wir in Yogyakarta überall in Kontakt mit Locals oder indonesischen Besuchern gekommen sind. Denn es sind immer die Menschen, die einen Ort erst besonders machen. So ist es schon während unserer gesamten Reise. 

Für den etwa einstündigen Rückweg nach Yogyakarta mieteten wir dann spaßeshalber drei Motorradrikschas. Im nach hinein gesehen, war es zwar wie erwartet lustig, man bekommt aber den ganzen Staub und Smog ungefiltert ab, da man vor dem Fahrer sitzt. Bei so einer längeren Fahrt ist es dann irgendwann doch unangenehm. Naja, auch das haben wir überlebt. Danach haben wir zusammen mit Nico und Antonio die Zug- und Busreise zur nächsten Station auf Java, dem Mount Bromo, klar gemacht. Katha musste aus Zeitgründen leider schon direkt weiter nach Bali.

Wir sind jetzt schon darauf gespannt welche Abenteuer wir zusammen mit den Jungs noch erleben werden - eines ist klar, es wird in jedem Fall wieder lustig und total verrückt :)